Plagwitz

Die ehemalige Gemeinde Plagwitz war von 1839 bis 1890 eine selbstständige Gebietskörperschaft westlich von Leipzig. Sie umfasste die Gemarkung Plagwitz mit dem Dorf Plagwitz.

Das Dorf Plagwitz wurde von slawischen Siedlern südlich des Abzweiges der (Kleinen) Luppe am West-Ufer der Weißen Elster angelegt. Im Jahre 1486 wurde es erstmals urkundlich als »Plochtewitz« erwähnt.

Landesherren waren seit dem 13. Jahrhundert die Bischöfe von Merseburg (bis 1562). Nach der Umwandlung des Bistums in ein weltliches Stift fungierten von 1562 bis 1656 die Kurfürsten von Sachsen, von 1656 bis 1738 die Herzöge von Sachsen-Merseburg und von 1738 bis 1918 die Kurfürsten (seit 1806 Könige) von Sachsen als Landesherr. Sowohl innerhalb des Stifts Merseburg als auch im Herzogtum Sachsen-Merseburg gehörte das Dorf Plagwitz ins Amt Lützen. Nach der Abtretung des größten Teils des Hochstifts Merseburg an das Königreich Preußen in Folge des Wiener Vertrages vom 10.01.1815 kam Plagwitz an das Amt Leipzig.

Das Dorf Plagwitz gehörte zur Grundherrschaft des Ritterguts Kleinzschocher (wie auch die Dörfer Kleinzschocher, Schleußig und Großmiltitz), damit unterstand es juristisch dem Patrimonialgericht Kleinzschocher. Kirchlich gehörte es zur Parochie Kleinzschocher; die Kinder besuchten die Schule Kleinzschocher.

Im Jahr 1835 umfasste das Dorf 41/8 Magazinhufen Land, 20 Häuser und 172 Einwohner.

Mit der sächsischen Landgemeindeordnung von 1838, die am 01.05.1839 in Kraft trat, wurde das Dorf Plagwitz eine selbstständige Landgemeinde und erhielt das Recht zur Selbstverwaltung; die untere Gerichtsbarkeit blieb jedoch bis zum 01.10.1856 beim Patrimonialgericht Kleinzschocher.

Im Jahr 1854 begann der Leipziger Rechtsanwalt Dr. C. Heine (1819-1888) mit dem Ankauf von Grundstücken in der Gemeinde Plagwitz, die er in der Folgezeit zur Ansiedlung von Industrieunternehmen nutzte. 1856 begann er mit dem Bau eines ersten Teilstücks des Elster-Saale-Kanals, dem heutigen Karl-Heine-Kanal, der Plagwitz in zwei Teile zerschneidet. Gleichzeitig entstanden zahlreiche Brücken über den Kanal.

Am 05.04.1861 wurde die Bildung eines eigenen Schulbezirks genehmigt; am 14.10.1862 wurde die Plagwitzer Schule westlich des alten Dorfes eingeweiht.

Am 04.06.1872 wurde die Gemeinde Plagwitz mit der Inbetriebnahme der Plagwitzer Straßenbahntrasse an das Straßenbahnnetz der Stadt Leipzig angeschlossen.

Am 20.10.1873 wurde die Gemeinde Plagwitz mit der Inbetriebnahme der zunächst privaten (Thüringische Eisenbahngesellschaft), später Königlich Preußischen Zeitzer Eisenbahn an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen. Für die Trassierung der Strecke über Lindenau und Plagwitz hatte sich vor allem C. Heine eingesetzt.

Von 1873 bis 1890 gehörte die Landgemeinde Plagwitz zur Amtshauptmannschaft Leipzig.

Am 01.09.1879 wurde die Gemeinde Plagwitz mit der Inbetriebnahme der Gaschwitzer Eisenbahn auch an das Königlich Sächsische Eisenbahnnetz angeschlossen.

Im Jahr 1880 wurde der Friedhof Plagwitz im äußersten Westen der Gemeinde angelegt.

Im Jahr 1885 trennte sich Plagwitz auch kirchlich von Kleinzschocher, indem eine eigene Parochie Plagwitz gebildet wurde. Von 1886 bis 1888 wurde die Heilandskirche Plagwitz nordwestlich des alten Dorfes errichtet.

Am 17.09.1888 wurde mit der Leipzig-Plagwitzer Eisenbahn die dritte Eisenbahnlinie eröffnet, die Plagwitz berührte. Sie diente ausschließlich für den Güterverkehr.

Nach dem Tode C. Heines im Jahr 1888 führte die von ihm gegründete Westend-Baugesellschaft seine Projekte weiter.

Am 01.01.1891 wurde die Gemeinde Plagwitz in die Stadt Leipzig eingemeindet. Sie hatte damals eine Fläche von 108,261 ha.

Seit dem 18.03.1992 gehört der größte Teil des ehemaligen Gemeindegebietes zum Ortsteil Plagwitz.

Navigation:
Leipzig-Lexikon > Gemeinde > Plagwitz